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"Coburg liest!"

Lesungen, Filmnacht, Poetry Slam und Schiller-Parodie – „Coburg liest!“ geht in die zweite Runde



Michael Lentz © Jürgen Bauer

Lesungen mit Tankred Dorst, Selim Özdogan, Michael Lentz, Dorothea Dieckmann und John von Düffel stehen neben einer Filmnacht, einem Poetry Slam mitsamt Workshop sowie Friedrich-Schiller-Texten und -Parodien mit Musik auf dem Pro-gramm der zweiten Coburger Literaturtage, die unter dem Namen „Coburg liest!“ vom 23. bis zum 30. April 2005 stattfinden werden. Das gaben die Initiatoren der Literaturtage – wie im letzten Jahr die Buchhandlung Riemann, der Coburger Literaturkreis, die Landesbibliothek, die Stadtbücherei und die Volkshochschule - bekannt.


Einer der Höhepunkte der Woche, in der Coburg im Zeichen der Literatur stehen wird, ist ein Abend mit Tankred Dorst am Donnerstag, den 28. April um 19 Uhr in der Reithalle. Tankred Dorst wird aus seinem neuen Erzählband „Der schöne Ort“ lesen; außerdem spielen Schauspieler des Landestheaters Szenen aus der aktuellen Inszenierung des Dorst-Stückes „Karlos“, denen Auszüge aus Schillers „Don Carlos“ gegenüber gestellt werden. Das anschließende Gespräch zwischen Autor, Theatermachern und Publikum wird Professor Dr. Friedhelm Marx von der Universität Bamberg moderieren.
Bereits am Abend zuvor spielt Tankred Dorst, der in den vergangenen vierzig Jahren das moderne deutschsprachige Drama maßgeblich mitgeprägt hat, eine wichtige Rolle im Programm der Literaturtage: In der „Langen Nacht des Films“ wird am Mittwoch, den 27. April ab 20.15 Uhr zunächst das experimentelle Fernsehspiel „Rotmord oder I was a German“ aus dem Jahr 1969 von Peter Zadek, Tankred Dorst und Wilfried Minks gezeigt, das auf dem Theaterstück „Toller“ von Dorst basiert. Gegen 22.30 Uhr folgt dann noch Rainer Werner Fassbinders „Despair“ nach dem gleichnamigen Roman von Vladimir Nabokov.


Einen Querschnitt durch die jüngere deutsche Literatur bietet der Freitagabend mit drei Lesungen: Am 29. April 2005 liest zunächst um 19 Uhr Michael Lentz („Liebeserklärung“) im zweiten Obergeschoß des Rathauses aus seinem aktuellen Werk; es folgt gegen 20.30 Uhr ein Ortswechsel in die Räume der Sparkasse, wo Dorothea Dieckmann ihren Roman „Guantanamo“ vorstellen wird, ehe man um 22 Uhr wieder ins Rathaus zurückkehrt, um dort dann John von Düffel zu hören, der aus seinem Familienroman „Houwelandt“ lesen wird. Alle drei Autoren spielen eine wichtige Rolle in der aktuellen deutschen Literaturszene:

  • Kennzeichnend für Michael Lentz, 1964 in Düren geboren, sind seine sprachakrobatischen, an der Konkreten Poesie geschulten Experimente und seine Gemeinschaftsprojekte mit Avantgarde-Musikern.
  • Dorothea Dieckmann, unter anderem mit dem Hamburger Förderpreis für Literatur sowie dem Marburger Literaturpreis ausgezeichnet, erntete für ihren Aufsehen erregenden Versuch, sich mit dem US-Gefangenenlager Guantanamo in der Form des Romans auseinander zu setzen, Lob und Kritik gleichermaßen.
  • John von Düffel wiederum, Jahrgang 1966, gilt seit seinem Debüt „Vom Wasser“ 1998 als Meister eines Genres, das in der deutschsprachigen Literatur derzeit eine Renaissance erlebt, nämlich des Familienepos. Mit „Houwelandt“ bestätigt er diese Einschätzung.


© Tom Produkt

Eine weitere Autorenlesung findet bereits am Montag, den 25. April um 20 Uhr im Wartesaal am Coburger Bahnhof mit Selim Özdogan statt. Sie wurde in enger Zusammenarbeit mit einer Gruppe von Schülerinnen und Schülern des Gymnasium Ernestinum und der Berufsoberschule Coburg konzipiert und organisiert und trägt dem Bestreben der Initiatoren Rechnung, auch ein jüngeres Publikum für zeitgenössische Literatur zu begeistern. Selim Özdogan wurde 1971 geboren und lebt in Köln. Seine Werke wurden vielfach ausgezeichnet, gerade fertig gestellt ist sein jüngster Roman „Die Tochter des Schmieds“.


Ihre Absicht, neue Zielgruppen für die Literatur zu erschließen, verfolgen die Initiatoren der Literaturtage auch mit dem Einbeziehen eines Poetry Slam in ihr Programm, der am Dienstag, den 26. April um 20 Uhr in der Sonderbar im Unteren Bürglaß stattfindet. Dort wird diese moderne Form des Dichterwettstreits seit dem Dezember 2004 einmal im Monat gepflegt.
Im Rahmen von „Coburg liest!“ geht dem Poetry Slam nun am Wochenende davor
(23. April von 17 bis 22 Uhr und 24. April von 13 bis 17 Uhr) ein Workshop für zwanzig Interessenten mit Nora Gomringer, Finalistin des „National Poetry Slams“ 2004 und Veranstalterin des Slams im Bamberger Morph-Club, und Felix Römer, Motor der Berliner Slam-Szene, voraus. Wer will, kann dann am darauf folgenden Dienstag am Poetry Slam in der Sonderbar teilnehmen.


Der Abschluss von „Coburg liest!“ ist Friedrich Schiller gewidmet: Unter dem Titel „Fritz steht Kopf“ gibt es am Samstag, den 30. April um 15 Uhr im Trauungssaal des Bürglaßschlösschens „Schiller und Schiller-Parodien mit Musik“ zu hören, vorgetragen von Klaus-Dieter König, Schauspieler am Landestheater, und begleitet von dem Pianisten Robert Kluge. Das Konzept für diese ungewöhnliche Annäherung an den Dichter stammt von Brigitte Maisch, Stadtbücherei Coburg, die Textauswahl besorgt Edmund Frey.


Kartenvorverkauf

Kombikarte gültig für alle Veranstaltungen (exklusive Lange Filmnacht) erhältlich in der

Buchhandlung RIEMANN
Markt 9
96450 Coburg
0 95 61/80 87-0
www.riemann.de

Einzelkarten gibt es nur an der Abendkasse!



Weitere Informationen zu den 2. Coburger Literaturtagen
finden Sie unter

"Coburg liest" zieht Bilanz 2005 ...

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