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Souveränität des Gereiften

Arbeiten Karl-Heinz Adlers in der Bamberger Galerie Kunst im Gang

von Oliver Pfohlmann

"Zerstörtes Quadrat“: So betitelt Karl-Heinz Adler die meisten seiner Werke. Mit gutem Grund, denn der ostdeutsche Künstler zerschneidet und zersägt das ursprünglich quadratische Bild in einzelne Segmente, die er dann zu einem neuen Objekt arrangiert. Neben- oder übereinander angeordnet, weisen diese Drei- oder Vierecke ins Räumliche.

Heute gilt der 1927 in Remtengrün im Vogtland geborene Adler als Nestor der konkreten Kunst in Ostdeutschland. Es war vor allem das Vermächtnis des Bauhauses, von dem er sich in den fünfziger Jahren anregen ließ. Bis zum Mauerfall war Adler freilich so gut wie unbekannt, im Westen genauso wie im Osten. Als Vertreter einer Kunstrichtung, die aus Sicht der offiziellen Kunstdoktrin der DDR unerwünscht war, musste er jahrzehntelang auf Publikum, Kritik und den Austausch mit Künstlerkollegen verzichten. Die einzige Möglichkeit, seine Werke auszustellen, war, sie al s Entwürfe für architektonische Vorhaben zu tarnen; seine erste Einzelausstellung erlebte Adler 1982, da war er bereits 55 Jahre alt.

Unnötig zu sagen, dass er den Untergang der DDR als Befreiung erlebte. Seitdem wächst sein Ruhm, kam es bereits zu einigen großen Ausstellungen, auch zu Einladungen nach Florenz oder in die Villa Massimo in Rom; große Monographien sind erschienen. Interessanterweise hat sich jedoch Adlers Werk seit den neunziger Jahren merklich verändert.

Beeindruckende Zeugnisse dieser bislang letzten Schaffensperiode sind nun in der Bamberger Galerie Kunst im Gang zu sehen. Nach Ausstellungen von Diet Sayler, Eugen Gomringer oder Markus Kronberger ist das kleine Galeriehaus am Bruderwald inzwischen so etwas wie die lokale Dependance der konkreten Kunst geworden.

Wie wohl die meisten Künstler begann auch Adler in seiner Jugend mit dem Figürlichen, bediente sich dabei allerdings einer impressionistischen Malweise. Anschließend verzichtete er 30 Jahre lang nahezu vollständig auf die Mittel der Malerei, vielmehr schichtete er geometrische Elemente zu dynamischen räumlichen Objekten oder überzog Spanplatten mit „seriellen Lineaturen“, geraden Linien, die sich in Fluchtpunkten verdichten. Erst seit den Neunzigern greift Adler wieder zu Farbe und Pinsel und kombiniert mit der Reflexion und Souveränität des gereiften Künstlers eine quasi impressionistische Oberflächengestaltung mit disziplinierten geometrischen Ordnungssystemen. Auf eindrucksvolle, neuartige Weise vereinigt er so Farbe und Linie.

Denn vor dem „Zerstören“ des Quadrats und dem Neuarrangement der Segmente überzieht Adler die Hartfaserplatten mit lasierenden Farbflächen, wobei der breite Pinsel eine verwirbelte, vibrierende Oberfläche schafft und stets zwei Grundfarben wie Grün und Rot zueinander in Beziehung gesetzt werden, die sich in subtilen Nuancierungen einander annähern. Dann versieht er den Bildgrund mit einem linearen Rasterfe ld, einem Liniennetz, das die flirrenden Farbräume teilt.

Was so entsteht, sind irritierende Bildobjekte, die ein Spiel mit Kontrasten auf gleich mehreren Ebenen entfalten. Vor allem der Gegensatz zwischen den bewegten, chaotischen Farbflächen und den für Ordnung und Statik stehenden geometrischen Linien, zwischen Auseinanderstreben und Begrenzung, ist bemerkenswert, bricht er doch die Prinzipien der konkreten Kunst auf.

Fränkischer Tag vom 12.07.2005.



Neue Sichtweise in magischen Räumen

Ausstellung mit Arbeiten von Karl-Heinz Adler in der Galerie Kunst im Gang eröffnet

von Christina König

Eine eingeschworene Fangemeinde der Bamberger Galerie Kunst im Gang (Im Bauernfeld 18) fand sich am Sonntag zu einer ganz besonderen Vernissage ein. Mit bewährtem Gespür und langjähriger Erfahrung auf dem Gebiet der zeitgenössischen Kunst hat Galerie-Inhaberin Dietlinde Schunk-Assenmacher den Nestor der Konkreten Kunst, den ostdeutschen Künstler Karl-Heinz Adler, zur Präsentation einer kleinen, feinen Auswahl seiner Werke eingeladen und gewann den Begründer der Konkreten Poesie und Freund Adlers, Prof. Eugen Gomringer, zur Einführungsrede. Eine wahrhaft gelungene und stimmige Konstellation.

Adler hat auf dem Gebiet der künstlerischen Baugestaltung und deren Technik zu DDR-Zeiten 15 Patente angemeldet und war dennoch, trotz bahnbrechender künstlerischer Leistungen auf dem Gebiet der Malerei und Objektkunst, während seiner schaffenskräftigsten Jahre in der DDR nicht gewürdigt, ja sogar beschnitten und abgetrennt von der freien Welt. Vielleicht sind desha lb seine Werke so authentisch, weil er seinen Weg unbeeinflusst von den künstlerischen Strömungen seiner Zeit machte und diesen zum Teil bereits voraus war.

Schöpferische Individualität und innovative Errungenschaften, trotz fehlender öffentlicher Anerkennung und Förderung, zeigen Karl-Heinz Adler als eine mutige, selbstständige Persönlichkeit – dem endlich gerechter Erfolg zuteil wird. Der konkrete Künstler Karl-Heinz Adler hat, spät, aber doch, seinen würdigen Platz gefunden – in internationalen Museen und Galerien und in der Geschichte der zeitgenössischen Kunst.

In seiner Einführungsrede erläuterte Prof. Gomringer die mathematischen Konstruktionsprinzipien Adlers anhand der philosophischen Erkenntnisse von Sokrates und Platon bis zu der avantgardistischen Bewegung von Vladimir Tatlin und zum Bauhaus, als das Arbeiten an einer harmonikalen Ordnung. Adler habe die Konstruktiv-Konkrete Kunst geöffnet, seine Bilder, insbesondere seine Farbschichtungen, machten klar: Nicht mehr nur zwei und zwei seien vier, sondern zwei und zwei seien auch fünf. In den Farbschichtungen sei die ausgelassene Freude an Farbe innerhalb einer strengen Fassung der Geometrie wieder erlaubt und seine seriellen Liniaturen schafften magische Räume. Der alte Streit zwischen Linie und Farbe sei meisterlich gelöst. Mit ganz neuen Sichtweisen, ganz eigenen Prämissen schaffe Adler seine wunderbare lucide Kunst. Er zählt zu den Besten.

Geöffnet bis 21. Juli, Mi+Do 10-12 u. 16-18 Uhr sowie nach Vereinbarung,Tel. 0951/57182. Am 14. Juli findet um 19 Uhr ein Künstlergespräch mit Prof. Karl-Heinz Adler statt.

Fränkischer Tag vom 28.06.2005.

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