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KunstMühle Mürsbach


Internationale und lokale Entwicklungen sollen ineinander fließen, wenn in der Mürsbacher KunstMühle einige Male im Jahr experimentelle Ausstellungen stattfinden.

Offiziell eröffnet wird die KunstMühle am
28. September. 14 Jahre dauerte die Renovierung des gesamten Anwesens, das laut Mürsbacher Chronik schon vor 1550 entstanden ist. 1997 begannen die Eigentümer der Mühle, Carola und Heinz Eller, schließlich mit der Planung, die alte Holzlege samt Stallungen als Künstlerwerkstatt und den restlichen Mühlraum als Galerie umzubauen. Der Begriff „Kunstmühle“ wurde übrigens schon seit 1914 verwendet, als im Zuge einer Modernisierung die Wasserräder durch Schachtturbinen und die Mahlgänge durch Walzenstühle ersetzt wurden. Allerdings verstanden die damaligen Betreiber unter Kunst weniger die Malerei: Aller Wahrscheinlichkeit nach waren der „künstliche“ Antrieb oder die „Kunst“ des Müllers, mit den neuen Walzenstühlen eine besonders große Menge Mehl hoher Qualität und unterschiedlichster Graduation produzieren zu können, namensgebend. Und auch die aktuellen Besitzer wollen in ihrem Metier besondere Sorgfalt und Feinheit in der Unterscheidung walten lassen.


Im Mittelpunkt der ersten Ausstellung, deren Titel „50N04 10E52 GLOBALSCAN 15:00:00 09/28/03“ auf Ort und Zeitpunkt der Ausstellung sowie auf den Satelliten als „Betrachter höherer Ordnung“ verweist, steht die künstlerische Beschäftigung mit Landschaft, als Metapher für verschiedene Arten eines Zugangs zur Realität. Die Landschaftsmalerei, ein klassisches Genre der Kunstgeschichte, galt lange Zeit als fast abgelegtes Beschäftigungsgebiet zeitgenössischer Kunst. Seit Mitte der neunziger Jahre jedoch gewinnt sie durch das Interesse an Kartographien, das einem Bewusstsein für die Wichtigkeit der Verortung psychischer und sozialer Realitäten entsprang, zunehmend an Bedeutung.

Ihre Kunst stellen nun vier renommierte Bildende Künstler, die mit der fränkischen Region verwoben sind, ihre Netze aber weltweit gespannt haben und außerdem verschiedenen Generationen angehören, vom 14. September bis 16. November im Itzgrund vor. Thomas Eller, der Sohn des Besitzerehepaares der KunstMühle, hat die Ausstellung zusammengestellt und lebt als einziger der vier Künstler nicht in der Region. Er ist 1996 von Berlin nach New York gezogen und hat inzwischen sein Aktionsfeld auf den gesamten amerikanischen Kontinent und auch auf Asien erweitert. In Mürsbach zeigt er Werke, in denen er die Tradition des Bildpanoramas nutzt, um die „Diskontinuität von Fernreisen“ zu verdeutlichen.

Einer der prominentesten Künstler Deutschlands in den sechziger und siebziger Jahren war Werner Knaupp, inzwischen emeritierter Professor der Malerei an der Akademie für Bildende Künste in Nürnberg. Seine prägendsten Erfahrungen als Künstler hat Knaupp auf Reisen in „extreme Landschaften“ und in verschärften sozialen Situationen wie im Sterbekrankenhaus der Mutter Teresa in Kalkutta oder im Nervenkrankenhaus Bayreuth gewonnen.

Der Nachfolger Werner Knaupps an dessen Lehrstuhl in Nürnberg ist Peter Angermann, der ebenfalls in Mürsbach ausstellt. Angermann erlangte in den achtziger Jahren als Mitglied der Gruppe Normal internationalen Bekanntheitsgrad und war damit Teil eines bis heute in seiner Tragweite unterschätzten kulturellen Aufbruchs in Deutschland. Seine in der KunstMühle gezeigten Bilder sollen wie Transformatoren wirken, die den Anlass der Landschaftsmalerei zu einem Energietransfer nutzen.

Ebenfalls an der Nürnberger Akademie tätig war Gerhard Mayer, der seitdem eine rege Ausstellungstätigkeit in Europa und den USA entwickelt. In Mürsbach zeigt er große Puzzlelandschaften, aus hunderttausenden einzelner Teilen collagiert, und begeht mit seinen Werken sozusagen einen „multiplen Regelbruch“, der den Blick auf die tatsächliche Komplexität unserer Perspektive auf Realität öffnen soll.

KunstMühle Mürsbach

Mühlstraße 10
96179 Rattelsdorf-Mürsbach
0 95 33/ 81 53
0 95 33/98 06 92
eller-muersbach@t-online.de

Öffnungszeiten: Fr 15-19 Uhr, So 14-19 Uhr und nach Vereinbarung