Leseprobe 2Ines Beatrix Brückle: "Knollidor und Wippeldi"
(aus Knollidor)
Plötzlich werden Dolle und Bolle von hinten geschubst. „Hä, hä, hä, ihr habt ja viel kleinere Ohren als ich, obwohl ihr viel größer seid“, neckt sie der Hase Rübchen. Dolle und Bolle sind völlig verdutzt, verlieren das Gleichgewicht und purzeln Knollidor direkt vor die Füße.
Verlegen rappeln sich die beiden auf. „Äh, ähm, mmmhhh, schönes Wetter heute“, stottern sie. Knollidor grinst breit: „Gebts doch zu, ihr habt meinen Himbeerkuchen bis nach Hause gerochen und wollt unbedingt was abhaben.“ Dolle und Bolle sind völlig überrumpelt. So einen Knollidor kannten sie bisher nicht. An der Höhle hängt zu allem Überfluss das gemeine Schild, das sie ihm am letzten Tag an die Schultasche geheftet hatten:
Knollidor - Segelohr
Es wirkt eher wie ein Firmenschild oder ein Ehrentitel, vor allem als Knollidor darauf zeigt und lacht: „Jetzt mach ich meinem Namen endlich alle Ehre.“ So viel gute Laune ist ansteckend. Dolle und Bolle überwinden ihre Verlegenheit schnell. Ein tolles gemeinsames Picknick mit all seinen Freunden auf der Waldlichtung lässt auch das letzte Eis schmelzen. Dolle meint anerkennend: "Du bist echt ein toller Typ, ein klasse Kumpel. Sorry, dass wir das nicht früher erkannt haben", und Bolle malt Luftschlösser von Knollidors strahlender Zukunft als fliegender Bär: "Mann, was du alles machen kannst. Die Bärenstädter werden sich um dich reißen, vor allem die Feuerwehr und die Polizei."
Knollidor guckt dagegen etwas nachdenklich: "Erst mal werd ich mich wohl bei allen für den Schrecken entschuldigen müssen, den ich ihnen eingejagt habe, vor allem bei Mama und Papa. In den letzten Tagen habe ich erkannt, dass Probleme nur aus der Welt zu schaffen sind, wenn man sich ihnen stellt. Und das tu ich jetzt."
Dann hebt er auch schon ab …
(aus Wippeldi)
Endlich ist es Heiligabend. Papa spielt Klavier, Mama liest die Weihnachtsgeschichte vor, ein Glöckchen läutet zur Bescherung und völlig unerwartet tut es einen gewaltigen Donnerschlag:
Der zweigeteilte Baum wächst wie von Zauberhand zu einem kerzengeraden Tannenbaum zusammen, und als sich die Familie vom ersten Schrecken erholt hat, entdeckt sie auf dem untersten Zweig direkt über der Krippe ein fremdartiges kleines Wesen. Nicht Fee und nicht Wichtel, nicht Elbe, nicht Hobbit und schon gar kein Geist – obwohl alle Familienmitglieder den Kleinen wie einen solchen anstarren.
Es ist ein Geschöpf, bekleidet mit einem leuchtend blauen Anzug mit aufgestickten, überirdisch gelben Sternen. Einen ganz großen Stern trägt Wippeldi wie einen Hut auf seinen grün schillernden Haaren. Am Hut prangt ein weißroter Sichelmond. Seine Füße stecken in knallroten Schuhen, seine Händchen in knallroten Handschuhen. Ebenso knallrot sind Gürtel und Halskrause.
Das Männchen wippt leicht verlegen mit den Beinen, blinzelt mit seinen tiefbraunen Augen, zieht sein Sternenmützchen und sagt mit seinem hellen Stimmchen leise, aber gut verständlich: „Guten Abend! Ich bin Wippeldi von den Sternenelfen, fünfter Stern, zweite Galaxie links der Milchstraße, Epsilon-Olympia.“
Ines Beatrix Brückle: Knollidor und Wippeldi. Rehau: © Burg Verlag 2006, S. 16f. und S. 35f.
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