„Dem Text einen Körper geben“Uwe Timm las im Rahmen der Bamberger Herbstlese in der Buchhandlung Collibri
von Iris Breker Menschen, Mengen von Menschen, besser Massen waren in der Verlagsbuchhandlung Collibri in der Bamberger Innenstadt erschienen, um Uwe Timm im Rahmen der 7. Bamberger Literaturtage hautnah zu erleben. Gespannt saßen sie zwischen den Regalen, manche sogar darauf, die neuen Bestseller als Rückenlehne, um sie herum Berge von bunten Büchern. Einige waren aus Neugierde an der Entdeckung der Werke eines ihnen noch unbekannten Autoren vorbeigekommen und stellten verblüfft fest „Ach, in ‚Rot’ geht es um die 68er und um Liebe?“. Die meisten jedoch waren eingefleischte Timm-Fans, die jedes seiner Bücher verschlungen hatten und sich wohl fühlten inmitten von Gleichgesinnten.
Angekündigt mit Superlativen begann Uwe Timm, sichtlich erfreut über den Besucheransturm, zu erzählen: Von seinen Romanen „Johannisnacht“ (1996) und „Rot“ (2001) und leider viel zu wenig von seiner besonderen Beziehung zu Bamberg. Nur, dass er immer wieder gern in die Domstadt käme und sich hier wohl fühle.
Mit gekonntem Berliner Dialekt tauchte Timm zunächst in eine Szene aus „Johannisnacht“ ein, um exemplarisch den roten Faden zwischen beiden Werken aufzuzeigen: Mitten an einer Currywurstbude in Berlin treffen sich der Icherzähler aus „Johannisnacht“, Schriftsteller von Beruf und der Icherzähler des Nachfolgewerks „Rot“, ein Beerdigungsredner. Bei dem Wort „Currywurstbude“ ging Gelächter durch die Reihen der Zuhörer, der Gedanke an die „Entdeckung der Currywurst“ kam nicht von ungefähr. Uwe Timm verstand es, wie er selbst zu Beginn der Lesung sagte, „dem Text einen Körper zu geben“. Anschließend ging der literarische Ausflug in die Welt des Beerdigungsredners und Jazzkritikers Thomas Linde, der in dem Roman „Rot“ seine eigene Beerdigungsrede hält. Ob „Rot“ autobiographische Züge enthalte, wies Timm in der anschließenden Diskussion zurück. Er möge zwar Jazz, aber Beerdigungsredner sei er sicher nicht.
In naher Zukunft will Uwe Timm zwei neue Projekte beginnen: Eine Fortsetzung seines zuletzt erschienen Buches „Am Beispiel meines Bruders“ (2003, Kiepenheuer & Witsch), in dem seine Beziehung zu Benno Ohnesorg, mit dem er am Braunschweig-Kolleg sein Abitur nachgeholt hat, im Mittelpunkt steht. Zudem plant er einen dritten Band, der „Johannisnacht“ und „Rot“ zu einer Berlintrilogie ausbauen soll. Im Sommersemester 2005 gibt es dann noch mehr von Uwe Timm: Er wird die Poetik-Gastprofessur an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg übernehmen.
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