E.T.A.-Hoffmann-Haus"Der stillste Ort, wo man entfernt von allem KriegsGetümmel sich wie in einer anderen Welt befindet, ist die BilderGallerie, und Sie können denken, daß ich jeden Nachmittag da zubringe [....].“ Diese Zeilen aus einem Brief an Carl Friedrich Kunz vom 8.9.1813 sind bezeichnend für den Kunstenthusiasmus, dem sich Hoffmann gerade in den Wirrnissen der Napoleonischen Kriege hingibt. Die Rede ist vom Dresdner Zwinger, einer „KunstGallerie“, die das Gefühl für die „Nichtigkeit alles menschlichen Tuns und Treibens“ ebenso vermittelt wie die „Überzeugung vom Gegenteil – denn nie fühlte ich die Herrlichkeit des lebendigen Lebens mehr als da!“
Mit der Betonung der Subjektivität des Betrachters vertritt Hoffmann eine dezidiert moderne museologische Position. Bei der Neugestaltung des Wohnhauses am Bamberger Schillerplatz, in dem der Autor von 1809-1813 weilte, wurde gerade diese Perspektive des Besuchers in den Mittelpunkt gerückt. Das Museum hat sich zunächst aus einer Gedenkstätte – im sogenannten „Poetenstübchen“ – entwickelt. Es umfasst heute drei Etagen und das Parterre, in dem bereits 1999 ein „Spiegelkabinett“ mit Hoffmann-Porträts eingerichtet wurde. Diese Installation gab den Auftakt für eine komplette Modernisierung nach neueren museumsdidaktischen Konzepten. Aufgrund einer Initiative der "Arbeitsgemeinschaft Literarischer Gesellschaften und Gedenkstätten e.V." wurde es im Jahr 2002 möglich, Pläne für eine neue Dauerausstellung für das ganze Haus zu realisieren. Die Zielsetzung war eine doppelte: anschauliche Information und ästhetische Inszenierung. Das neue Konzept wurde von dem Bühnenbildner Wolfgang Clausnitzer – in enger Zusammenarbeit mit dem Vorstand der E.T.A.-Hoffmann-Gesellschaft – entwickelt und umgesetzt.
Hier sei ein kurzer Rundgang durch die neue Ausstellung versucht. Wenn der Besucher zuerst das in dunklem Blau gehaltene Spiegelkabinett betritt, findet er sich von optischen Vervielfachungen von (historischen und modernen) Hoffmann-Porträts, aber auch seines eigenen Spiegelbilds umgeben. Die Anregung zu dieser Installation lieferte ein Tagebucheintrag („Ich denke mir ein Ich durch ein VervielfältigungsGlas - alle Gestalten die sich um mich herum bewegen sind Ichs und ich ärgere mich über ihr tun und lassen ppp “) sowie die bekannte Vorliebe des Autors für optische Instrumente und das Spiegelmotiv. Die Suggestion eines exklusiven Orts soll sich einstellen – und zugleich soll der Gast seinem eigenen Spiegelbild begegnen.  In Fortführung dieser Idee findet sich an der Decke des Korridors eine Anamorphose des Bamberger Papierschnitt-Künstlers Wolfgang Müller: Ein verzerrtes Hoffmann-Porträt an der Decke wird durch einen Spiegel in seine richtigen Proportionen aufgelöst.
– Eine weitere, wesentliche Errungenschaft ist der Zaubergarten im Hinterhof, der sich als eine lebendige Illustration zu E.T.A. Hoffmanns Welt versteht. Durch ein schmiedeeisernes Tor mit einem Schlänglein (Serpentina aus dem Goldnen Topf) betritt man den Garten, der mit weiteren Anspielungen aufwartet: ein gewundener Weg führt vorbei an einem Holunderbusch, während die Pflasterung unter einer Laubkuppel auf den Kelch aus Hoffmanns Tagebüchern verweist; Schrifttafeln mit Hoffmann-Zitaten und Keramik-Skulpturen der Kulmbacher Künstlerin Gertrud Murr-Honikel gehören zu dieser Welt.
– In den oberen drei Stockwerken warten beleuchtete Schrift-Bild-Tafeln auf den Besucher, die Hinweise zu Hoffmanns Leben und Werk geben: über die Bamberger Zeit (1. Etage) und über die Berliner Jahre (2. Etage). Um diese letzte Lebensphase erlebbar zu machen, wurde ein kleiner Raum als Theaterloge mit dem Schinkelschen Bühnenbild der Undine eingerichtet. Hinzu kommt eine Installation zum Meister Floh: ein mannshoher Zylinder mit Gucklöchern, die den Besucher zum Gedankenleser werden lassen. Wie mit einem „Gedankenmikroskop“ kann er die geheimen Gedanken der Figuren aus Hoffmanns Erzählung lesen – in Form von beschrifteten Graphiken des in der Nähe Bambergs lebenden Künstlers Michael Knobel. – Im Dachgeschoss befindet sich ein Musikzimmer (mit einer Aurora-Tapete sowie Informationen auf Plexiglasscheiben) und schließlich das legendenumwobene „Poetenstübchen“ (dessen dunkelblaues Licht die Grundfarbe des Spiegelkabinetts wiederholt) mit der Luke zum darunter liegenden Zimmer.
Diese Konzeption fand bei der Eröffnung in verschiedenen regionalen und überregionalen Zeitungen großen Anklang. Die Bayerische Staatszeitung schätzte die „wunderlichen Szenen“ im Inneren des Gedankenzylinders; von der Theaterloge würde man sich gerne nach Berlin davontragen lassen. In der Mittelbayerischen Zeitung war vom „frischen Wind“ im Bamberger Hoffmann-Haus die Rede, während die Süddeutsche Zeitung titelte: „Erst jetzt bekommt E.T.A. Hoffmann in Bamberg ein zeitgemäßes Museum.“ Dabei ist das Flair des schmalbrüstigen Hauses bewahrt worden.
Im Nebengebäude werden wechselnde Ausstellungen gezeigt. Im Jahr 2007 wurde hier im 2. Stock ein Vortragsraum ausgebaut, so dass die bald einhundert Jahre währende Umwidmung des Hauses zu einem kulturellen Zentrum zu und um E.T.A. Hoffmann nun zu einem gewissen Ende gekommen ist, auch wenn Verbesserungen, Ausgestaltungen und Neuerungen weiterhin sinnvoll sind. Zu wünschen ist jedenfalls, dass sich die Gäste in Hoffmanns Haus „wie in einer anderen Welt befinden“.
Text: Reinhard Heinritz, leicht aktualisiert von Bernhard Schemmel, E.T.A.-Hoffmann-Gesellschaft e.V. Bamberg
E.T.A.-Hoffmann-HausSchillerplatz 26 96047 Bamberg
info@etahg.de
www.etahg.de ÖffnungszeitenMai-Oktober: Di-Fr 15-17 Uhr, Sa, So und Feiertag 10-12 Uhr PublikationR. Heinritz: Das Hoffmann-Museum in Bamberg. Einblicke in ein Künstlerleben. Bamberg 2003 [Broschüre mit Texten und Bildern der Schautafeln]
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