Poesie um den See Stelen am Weißenstädter See
Hufeisenförmig umschließen die Berge des Fichtelgebirges den Weißenstädter See. Seit Jahrhunderten wird in dieser Gegend Granit abgebaut und bearbeitet. Der Stein des Fichtelgebirges findet Verwendung in der Architektur, für Grabdenkmale und als Werkstoff für den Bildhauer. Auch Willi Seiler, ehemaliger Lehrer an der Staatlichen Fachschule für Steinbearbeitung in Wunsiedel, hat den Granit für viele seiner Werke bearbeitet. Angetan von den Gedichten Eugen Gomringers, des Begründers der Konkreten Poesie, hat Seiler einige davon in Granit ausgeführt und in Ausstellungen gezeigt.
Aber erst 1999 mit der Förderung durch die Laura und Franz Leupoldt-Stiftung sowie mit Hilfe weiterer Stifter konnte Seiler die Realisierung seiner Idee „Stelen am Weißenstädter See“ Schritt für Schritt in die Tat umsetzen:
Auf 14 hohen Granitstelen, die in unterschiedlichen Abständen am Ufer des Weißenstädter Sees aufgestellt sind, wurde ein außergewöhnliches Gedichtbuch von Eugen Gomringer - „Das Stundenbuch“ - verewigt.
 |  |  | | Stele Nr. 7 aus Epprechtstein Granit |
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Eugen Gomringer, emeritierter Professor an der Kunstakademie Düsseldorf und Honorarprofessor an der Westsächsischen Hochschule Zwickau, lebt seit 1967 im Fichtelgebirge. 1953 begründete er mit seinem ersten Gedichtband unter dem Titel „konstellationen constellations constelaciones“ die Konkrete Poesie – eine Poesie, die mit wenigen Worten viel zu sagen hat. So setzt sich Gomringers Stundenbuch, entsprechend den 24 Stunden eines Tages, aus nur 24 Wörtern plus dem Gegensatzpaar "mein - dein" zusammen, welche in unterschiedlicher Arithmetik miteinander kombiniert werden. Die 24 Wörter sind frei vom Dichter gewählt, haben aber allgemein menschliche Bedeutung wie auch das dein und mein.
Für den Dichter ist es wichtig, daß sich über bekannte Wörter des Lebens ein Nachdenken einstellt. Das Stundenbuch ist dazu eine Anleitung ohne Zwang und Forderung sondern einfach: "dein Geist - mein Geist", auch "dein Geist - meine Antwort". Es ist ein einfacher Dialog, der aber vielleicht ein paar Grundwahrheiten und Grundentscheidungen anspricht. Das war stets der Sinn der Stundenbücher.

Die Stelen bilden daher gleichsam einen Stationenweg, der zum Anhalten und zur Meditation einlädt. Gleichzeitig erinnern die Stelen an das Fichtelgebirge als ein bedeutendes Zentrum der Steingewinnung und Steinverarbeitung in Deutschland - es entsteht eine Art Materialkunde der Region, da die 14 Stelen aus verschiedenen Gesteinsarten gefertigt wurden.
 |  | | Feierliche Enthüllung der 14. und letzten Stele am 10. Juli 2004 |
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