| Eller, Thomas "THE ego-Selbst ... nennt Thomas Eller seine überlebensgroß auf Aluminium montierten, computergedruckten photographischen Selbstbildnisse, gleichsam eine gigantische Kraftanstrengung der Selbstbehauptung. In fast allen seiner Werke erscheint Thomas Eller selbst, den Betrachter anblickend, als kleine Randfigur oder als raumsprengende Marionette, immer als eine zur Umgebung in unrealistischem Verhältnis stehende Figurine, immer in schwarz-weiß, auch wenn die zugehörigen Photoinstallationen farbig sind. Der/die den Betrachter anblickende Künstler/Figur erklärt nichts. Er stellt in Frage und verweist den Betrachter damit auf sich selbst und auf die Frage: Wer bin ich? Elektronisch erzeugte Verzerrungen verändern gelegentlich das Bild des in bestimmten, manchmal klassischen oder auch der Kunstgeschichte entliehenen Posen und immer im schwarzen Anzug figurierenden Künstlers, der sich im Dialog mit dem Betrachter begreift. ...
Thomas Eller benutzt die Photographie weniger um der Abbildung willen als vielmehr zur Erkenntnis des geistigen Standortes des Menschen und der Kunst. Er verwendet sie zu dreidimensionalen Rauminstallationen und erweitert damit die Möglichkeit des an sich zweidimensionalen Mediums."
Kunst der Gegenwart, in: 100 Jahre Kunst im Aufbruch, 1998, S. 234
"Gigantische Figuren, überdimensionale Gemüse, Konglomerate von Meeresfrüchten und anderen Objekten scheinen vom Raum und vom Besitzer Besitz zu ergreifen, entpuppen sich bei näherem Hinsehen als Zwitter aus Bild und Skulptur - auf Aluminium kaschierte und ausgeschnittene Fotografien, die mit Hilfe von Metallkonstruktionen gestaffelt vor der Wand schweben oder im Raum autauchen.
Man könnte Ellers Arbeiten als den Versuch beschreiben, ein Bild mit seinen sowohl objektiven als auch subjektiven Eigenschaften in eine relevante, gegenwärtige und gewissermaßen aktive Beziehung zum Betrachter zu bringen. Das geschieht zweifellos dadurch, daß die Bilder aus den Rahmen in den dreidimensionalen Raum, also ins Jetzt treten. Es handelt sich nun um Fotografien, welche als Abbilder der 'Realität' (im Gegensatz zum gemalten Bild oder einer Skulptur') einen Objektivitätsanspruch mit sich bringen. Indem Eller seine fotografierten Figuren und Objekte aber per Computer manipuliert (z. B. perspektivisch verzerrt) und mit der Schere aus ihrem originalen Kontext herausschneidet, verlieren sie einen großen Teil ihrer ursprünglichen Objektivität und nähern sich damit dem subjetiven Charakter eines gemalten Bildes wieder an.
Ellers Arbeiten liegt eine intensive Auseinandersetzung mit Kunstgeschichte, mit Perspektive, mit formalen sowie inhaltlichen Aspekten von Malerei und Skulptur zugrunde. Einige Male hat er sogar Kunstwerke aus der Vergangenheit in den 'Raum des Jetzt' zitiert: unter anderem Dürers Großes Rasenstück ...
Versucht unser verlangendes Auge des so großzügig Dargebotenen habhaft zu werden, setzt eine Irritation ein. Denn Eller hat die einzelnen Figuren oder Objekte aus verschiedenen Perspektiven fotografiert, die mit denen des Betrachters nicht oder immer nur von jeweils einem Standpunkt aus übereinstimmen, so daß das vermeintlich Greifbare nicht tatsächlich als Ganzes erfahrbar ist."
Sabine Russ, Das unerreichbare Reichliche, in: Resident Alien, 1998, o. S. "In Thomas Ellers Werk steht die Frage nach dem SELBST, das als Wort ebenso wie die Initialen THE ein konstanter immer wiederkehrender Bestandteil der Titel seiner Arbeiten ist, im Mittelpunkt. Diese Frage nach der Identität des SELBST, wohlgemerkt nicht die der oberflächlichen Erscheinung, sondern jener des Wesentlichen, war in den frühen Arbeiten Thomas Ellers noch alleinige und zentrale Fragestellung an die Adresse des Betrachters. In den letzten Jahren hat sich das ikonographische Repertoire Ellers erweitert. Er präsentiert und variiert nicht mehr ausschließlich das rein bildnerische SELBST-Portrait, vielmehr ist damit auch eine Erweiterung, bzw. eine Präzisierung der jeweiligen Fragestellungen verbunden."
Jan Winkelmann, Thomas Eller ist THE ist Sam Rose ist Thomas Eller, in: Wer ist Thomas Eller?, 1994, S. 29.
"Eller versteht das Selbstportrait nicht so sehr als Ausdruck von Selbstverwirklichung. Für ihn ist das Selbst nichts Absolutes, nichts Autoritäres, sondern ein Medium, ein Ort der Befragung und der Begegnung, des kommunikativen Handelns. Nur dadurch legitimiert sich für ihn das Selbstportrait.
Wie bringt er das nun in seinen Selbstdarstellungen zum Ausdruck? Eller stellt sich in einer möglichst neutralen, unverfänglichen Form zur Disposition - Gesten und Ausdruck verändern sich nur minimal, die Bekleidung bleibt immer dieselbe. Dadurch irritiert er. Er vereitelt ein vorschnelles Urteilen und widersetzt sich der eindeutigen, eindimensionalen Einordnung. Thomas Eller: 'Ein Bild von mir bin nicht ich. Es ist eine neue Oberfläche, die aber keinen Anspruch auf Totalrepräsentanz hat. Das Bild ist ein Möglichkeit. Es ist entweder gelungen oder nicht, aber es ist von woanders her - nicht von mir. Mit meinem Gesicht/Namen realisiere ich eine Möglichkeit."
Annemarie Hürlimann, in: Wer ist Thomas Eller?, 1994, S. 66.  |