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Chossy, Regine

"Regine von Chossy sammelt Energien, setzt sie in 'energetische Zeichnungen' um. ... Zur Erzeugung 'energetischer Zeichnungen' setzt Regine von Chossy auch ihre Stimme ein (sie hatte einige Jahre Stimmbildung bei Cesare Cocco): 'Ich induziere Schwingungen, sammle sie in mir und kumuliere sie bis zur 'Entladung' auf der Zeichenfläche'; eine Energiespur entsteht. Die 'energetischen Zeichnungen' können auch wieder entmaterialisiert werden, in eine Tonzeichnung im Raum.
...
In Chossys Zeichnungen gibt es kein Zentrum, der dramatische Ausgangspunkt wird nivelliert durch Linienfolgen, Vernetzung der Bildfläche, Überlagerung, Verdichtung. Es gibt keine ruhenden Orte, alles ist in Bewegung, fließend, pulsierend, schwebend, sich wandelnd, ambivalent, veränderbar. Die Flüchtigkeit des Augenblicks wird spürbar, die Zerbrechlichkeit der Notation sichtbar, wird gelöscht und gleichzeitig verewigt, versteckt und wieder hervorgelockt. Flucht und Rückkehr, eine Pendeln zwischen Chaos und Ordnung, auf der Suche nach Ordnung und zugleich die Sehnsucht zu bezwingen, sich im Unendlichen zu verlieren.
...
Auch ihre plastischen Arbeiten - aus einem Gespinst von Stahlspänen, menschlichen und tierischen Haaren, Nägeln und Fäden 'geformte', phallusartige, bis drei Meter hohe Objekte ('Fingerling', 'Säuler', Vliese, 'Schaufelschwänze') - versteht Regine von Chossy als Energieträger, in denen die Spannung jeder einzelnen Spanspirale oder jeden Haares spürbar bleibt. Das amorphe Material versucht eine strenge Form (Kubus, Zylinder) zu finden, es ringt um Haltung - Idealziel wäre die Entelchie.
Chossys Arbeiten sind in einem membranen Grenzbereich der Umwandlung angesiedelt: Der flüchtige Moment der Verwandlung, Übergänge werden sichtbar. Entstehen und Vergehen, Auftauchen und Versinken - trotz aller Bewegtheit kontemplativer Bilder: zur Ruhe gekommene Unruhe.
Läßt man sich auf die Arbeiten Regine von Chossys ein, so fühlt man sich hineingezogen in einen spannenden Dialog zwischen Intuition und Kontrolle, Emotion und Methode. Die Paradoxien aushalten, Begriff gegen Gefühl tauschen und Gefühl gegen Begriff - so ließe sich die Haltung beschreiben, die diese - im Grunde monologischen - Bilder bestimmt. Eine sinnlich-dialektische Arbeit."
Hilla Gruchot: Die Befreiung der Energie, in: Beispiel einer privaten Kunstförderung, 1990, S. 30.

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