| Friedrich, Sabina "Klassische Themen wie Landschaft, Stillleben, Menschenbild erfahren unter ihren [Sabina Friedrichs] Händen eine neue, stoffliche Interpretation. Stoffmusterungen und -farben lösen oft einen Impuls aus. Sie werden freigestellt, umorganisiert, verfremdet und zu einer, vom ehemaligen Rapport weit entfernten Aussage neu zusammengeführt. Hinreißend ihre Landschaftsdichtungen, an denen dieser Prozess einsichtig wird.
Ihre Untergründe strukturiert sie aus rhythmisch gefügten Fetzchen, die einander teilweise überlagern und so fast eine opake Wirkung erreichen. Mit diesen Untergrundpartikeln führt sie uns auf Augenwegen durchs Bild.
Fadenlinien säumen die Formen des Bildgeschehens, diese scharf konturierend oder zu feinen Fadenfolgen aufgelöst. In den neueren Arbeiten füllen die Farbflächen dies umschreibenden Linien nicht mehr völlig, sie überspielen sie gelegentlich. Der Bildgrund druchdringt das Motiv, löst es scheinbar auf und führt uns in die Tiefe. Einige Themen durchlaufen in Trilogien formale Abwandlungen wie ein Musikstück mit Variationen. Bei der Darstellung zwischenmenschlicher Beziehungen wird der Faktor Zeit eingearbeitet und Bedeutungswandel und Vollfigur spürbar. Wichtig ist hier der Raum dazwischen ..."
Hanne Vollmer am 12. März 2000 anläßlich der Eröffnung der Ausstellung "FISH" in Mellrichstadt/Rhön. "Sabina Friedrich hat sich Ende der siebziger Jahre für die Textilcollage entschieden. Sie hatte das Glück, von der Textilkünstlerin Ella Raayoni in Israel selbst in diese Technik eingeführt zu werden.
Dem Menschenbild begegnen wir bei Sabina in zwei sehr verschiedenen Auffassungen: zum einen - in der zurückgenommenen Darstellung seelischer Befindlichkeiten - zum anderen in sehr körperhaften Akten und Portraits. ...
Wenn ich ... beim Menschenbild Sabinas von der Darstellung seelischer Befindlichkeiten gesprochen habe, so wird das an diesen Bildern einsichtig: die Wesen sind reduziert auf zarte Umrisslinien, nicht das Individuelle wird angesprochen, sondern das 'Allgemein-Gültige': distanzierte Verhaltenheit, vorsichtige Annäherung - vertrauensvolle Zuwendung drücken sich in Nähe oder Ferne der Figuren zueinander aus. Die Konturen sind aus Fadenlinien gelegt, oft suchend und, mehrfach, und die Hintergründe schichten sich aus feinen Stoffpartikeln - mal offen und luftig geklebt, dann wieder gehäuft und verdichtet, je nach dem wie es Thematik und Komposition einfordern.
Auf diese Weise legt Sabina Augenwege durchs Bild."
Hanne Vollmer am 13. Juli 2001 anläßlich der Eröffnung der Ausstellung "Silber und Seide" im Franck-Haus, Marktheidenfeld.  |