| Ohrndorf, Dagmar "Dagmar Ohrndorfs Arbeiten vollziehen das Leben, die Lebensweise und das Tun nach. Ihr Weg ist die Verdichtung: in Arbeit, Leben und Auseinandersetzung - ein Spannungsfeld aufbauen, um Zerissenheit und Einklang, Wildheit und Zartheit, Liebe und Haß aufzuzeigen. Sich Selbst - das Schaffen und das Leben - in seiner tiefen Verbundenheit von Berührbarkeit, aber auch von Widersprüchen, zu vernetzen. Einfühlen und spürbar machen: Die Künstlerin sich öffnend, um den Betrachter mit in den Prozeß des Schaffens mit einzubeziehen. Der Akt des Tuns soll aber auch die Gefühle anderer hinterfragen. In den Arbeiten beginnt der Prozeß des - "Sich-Verstehens" - wenn man sich einlässt und verweilt. Titel wie 'Berührbarkeit', 'Entsprungen', 'Federleicht', 'Kraftvoll', unterstreichen die tiefe Empfindsamkeit und Empfindlichkeit ihrer Malerei. Der spontan gesetzte Pinselstrich, die Collage als Medium von Vielschichtigkeit und Erspüren, versetzen uns in die Welt der Künstlerin, aber auch in unsere eigene. Ist der Inhalt ihrer Arbeiten von tieferer innerer Auseinandersetzung geprägt, so ist auch der formale Umgang mit dem Material - der Weg und die Versuchung, sinnliche Erfahrung ohne Vordergründigkeit umzusetzen.
Was macht das Bild? Wohin führt der Weg? Loslösung von Zwängen, sich eingeben in den Fluss der Kreativität, sich zu einem Ziel hin bewegen, es manchmal erreichen, wieder kämpfen und sich dann wohlig dem erlösenden Moment hingeben.
Um die Arbeiten von Dagmar Ohrndorf auf einen Nenner zu bringen, gilt in einfachen Worten zu sagen: Leben ist dann Leben, wenn man schreien kann, wenn man sich traut, die Tränen zu zeigen, wenn man Standpunkt bezieht, hinterfragt und nicht immer einer Meinung ist. Die Malerei zu philosophieren ist angesagt, das Orakel der Verletzlichkeit, der Liebe und des Spielens ergründen, sich geben und zeigen und immer den Weg der Ehrlichkeit gehen."
Klaus Neuper im November 2003  |