| Angermann, Gisela "Im Werk von Gisela Angermann begegnet der Betrachter einer Vielfalt künstlerischer Techniken, deren Ausdrucksmöglichkeiten den authentischen und intuitiven Selbstausdruck der Künstlerin dokumentieren.
Die Malerei ist das dominierende Medium in den Arbeiten; parallel entstehen Zeichnungen mit ähnlicher Thematik und mit ganz neuer Aussage. In die Malerei wird auch Zeichnung oder kalligrafisches Element integriert, wie ebenso umgekehrt aus ihren Zeichnungen malerische Mischtechniken entstehen können.
In der gestischen und informellen Malerei von Gisela Angermann drückt sich besonders das Wandelbare der Form aus. Zahlreiche Schichten gemalter Gesten und Farbflächen mit unterschiedlicher Konsistenz und Deckkraft machen den Malprozeß wahrnehmbar und bilden ein räumlich wirkendes Geflecht aus Farbe und Form.
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Die Bildinhalte sind nicht eindeutig ablesbar; nichts wird dem Betrachter direkt übermittelt. Die zunächst verschlüsselten Form- und Farbfragmente sind oft Zitate aus ihrer Berufswelt. Bildmotive sind bei Gisela Angermann oft vor dem Hintergrund des reichen Fundus ihrer Berufserfahrung als Stylistin zu deuten. Vor diesem persönlichen Hintergrund macht sie Motive zugänglich ohne dabei irgend etwas von sich selbst zu erzählen. Die Dinge sind Anlaß, protokollartige Chiffren. Sie lassen sich im weitesten Sinne zuordnen zum Bereich von Mode und Bekleidung, zum Formenkanon von Textil-Couture. Bildmotive sind als Entwurfsfragmente, Schnitteile und Muster, als Büsten und Model zu erkennen. Diese figürlichen Zitate werden mit scripturalen Formen, kalligrafisch eingebundenen Notizen oder konkreten Einzelworten kombiniert und werden in neue ambivalente Zusammenhänge gebracht. Dadurch bieten die Bilder eine Vielfalt von Interpretationsmöglichkeiten.
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Im grafischen Werk von Gisela Angermann ist die Tendenz der malerischen Themen mit dem Mittel der Zeichnung fortgesetzt. Bei den Arbeiten auf Papier dominiert die strenge Linie, die Handschrift ist eindeutig, die Konzentration scheint auf den Zeichenprozeß gerichtet zu sein, nicht auf den Gedanken. Die Linie kontrastiert mit gestisch aufgetragener Wasserfarbe, die an japanische Tuschemalerei erinnert, oder sie wird mit transparentem Weiß zur Schaffung durchsichtiger Schleier kombiniert. Auf diese Weise werden die Aktfragmente in Minutenskizzen abstrahiert.
Die druckgrafischen Arbeiten sind geprägt durche eine vorwiegend unkonventionelle Herangehensweise an das klassische Medium. Neben den Techniken wie Kaltnadel, Strichätzung und Aquatinta setzt die Künstlerin gern experimentelle Mittel ein. Unkonventionell bearbeitet sie ihre Druckplatten mit Schmirgelpapier, Stanzen, Lochungen oder Klebungen, um Linien und Schattierungsflächen zu variieren, oder es wird mit Kombinationen von Materialdruck agiert. Den Charakter von Unikaten erhalten Radierungen mit aufgelegten kleinen Kaltnadelplatten, die den Effekt von Prägedruck und Farbdruck hervorbringen. Der gestische Duktus verliert zwangsläufig durch das Medium an Bedeutung, die Beschränkung der Mittel läßt noch mehr einer abstrahierten Phantasie den Spielraum -- die Modewelt wird provokant fokussiert, Model erscheinen ironisiert, wobei es keine Vorzeichnungen oder Entwürfe gibt; immer wird direkt auf der Platte gearbeitet. Die Bedingungen des Druckmediums sind hier Anlaß für die Arbeiten, nicht die Auflagen-Drucke.
Mit den Mitteln der Monotypie erreicht Gisela Angermann eine Synthese zwischen Druckgrafik und Malerei. Die Abdrucke bemalter Zinkplatten vermitteln eine besonders materialbetonte Darstellung der Farbe, feinste Pinselspuren werden sichtbar und schnell eingesetzte Aussparungen. Die technisch bedingte spontane Arbeitsaktion übermittelt intuitive Frische der Motive, die an Gewand-Hüllen, Schrift- und Zeichensymbole denken lassen, die den Betrachter zur Entschlüsselung ihrer Geheimnisse einladen."
Thomas Breuer: Über die Künstlerin. In: Gisela Angermann - Malerei, Zeichnung, Druckgrafik, 2000, S. 3-5.
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