| Klesse, Reinhard "Klesses Werk ist engstens mit seiner alten und neuen Heimat verbunden. Es sind die ihn umgebenden Menschen und Landschaften, die er in Stein und Bild festhält. 'Stammtischbrüder', das religiöse Brauchtum Frankens, Musiker, 'Kellerbesucher', die Klesse treffend charakterisiert, häufig karikiert. Dabei gelingt Klesse in einem 'rauhen' Stil eine ernstzunehmende Darstellung seiner Umgebung, die den Ansprüchen zeitgenössischer Kunst gerecht wird, wenn sich auch Klesse selbst immer wieder als 'Handwerker' sieht."
Karl-Georg Pfändtner, Viten, in: Unser Jahrhundert, 1998, S. 129. "In der Mitte seines Beobachtens, seines Denkens steht der Mensch, er drängt ihn zur Darstellung. Aus dem Glauben und der dörflichen Gemeinschaft lebend, mit der sensiblen Wachheit des Künstlers beobachtend und gestaltend, wird Klesse zum Volkskundler mit Kreide und Meißel.
Klesse sieht Dinge, die Einheimische übersehen, die ihnen nie so bewußt wurden, die selbstverständlich blieben. Themen wie das Schlachtfest, der Scherenschleifer, der Mann mit dem Handwagen oder Marktweiber bezeugen dies. Bei einigen Zeichnungen, die der Arbeitswelt gelten, dominiert zwar die Darstellung der Plage, so beim Karrenziehen oder der Tragkorbschlepperin, jedoch sind die Bilder frei von sozialer Anklage; Klesse wünscht seine Kunst nicht in den Dienst von Propaganda gestellt. Frei von Romantizismen registriert er das Tun der Menschen, ihr Einfügen in vorgegebene oder gewählte Ordnung. ...
Kontinuierlich verlief die bisherige künstlerische Entwicklung des ungemein produktiven Malers und Bildhauers Reinhard Klesse, kein abruptes Abbrechen einer Schaffensperiode ist feststellbar. Persönlicher Stil und sichere Form weisen ihn aus. Charakteristisch sind gedrungene Figuren mit runden Köpfen und drallen Gliedern. Seinem bevorzugten Material und den Techniken blieb der Maler Klesse treu: Kreide und Öl, mitunter auch der schlichte Zeichenstift, nach wie vor kaum einmal Druckgraphik. Der Zeichner liebt vor allem die Kreide, weil sie ihm mehr Tiefe bringt, mehr Plastizität offenbart. Der Bildhauer schätzt für seine Arbeiten besonders den französichen Muschelkalk wegen seiner vielseitigen Möglichkeiten."
Elisabeth Roth, Die bildnerischen Themen bei Reinhard Klesse, in: Klesse Werkstattbuch, 1982, o. S. "Er [Reinhard Klesse] hält keine weithergeholten exotischen Exemplare und kaum Prominente in seinen schnell hingeworfenen Skizzen fest. Den alten Nachbarn, den bescheidenen ländlichen Handwerker, die stolzen Vereinsrepräsentanten oder die leicht betrunkenen Biertischhelden zeichnet er mit stets spürbarer Beteiligung. Keine Karikaturen entstehen dabei, auch wenn Distanz und Kritik einfließen. Wir sehen die Menschen der Dorfgemeinschaft bei ihren kleinen Festen und ihren großen Mühen. Vom arbeitsreichen Leben auf dem Acker gebeugte Rücken. Geduldige Werkstattarbeit. Aber an der 'heilen Welt' entstehen doch erhebliche Zweifel. Die meisten dieser realistisch beobachteten Menschen sind von Einsamkeit erfüllt. Beschönigt wird nichts. ...
Der zähe Arbeiter Klesse ist längst zu seinem unverkennbaren persönlichen Ausdruck und zu einer formalen Sicherheit der künstlerischen Gestaltung gelangt. Das zeigt sich gerade, wenn er besonders sparsam seine heftigen Striche setzt, oder wenn die Raumverteilung Reibungen zwischen Szene und Begrenzung provoziert. Er riskiert Spannungen, die bis zum Scheitern führen können. Seine Liebe verschwendet er nicht an die Geometrie, sie gilt der Natur und der Kreatur."
Hans Neubauer, Menschen und Landschaften, in: Reinhard Klesse, 1987, S. 12-13.  |