| Böhm, Gerhard (Böhm-Himmelkron) "Hauptthema Böhms sind der Mensch und seine Umwelt, die er formal reduziert darstellt. In den 50er und 60er Jahren widmet er sich vor allem dem Linolschnitt, zur Farbe wird er angeregt durch Kurse bei Johannes Itten an der Akademie der Bildenden Kunst in München (1958/60). Ab den 60er Jahren schuf Böhm ganze Siebdruck- und Farbradierungszyklen, ...
Seit 1983 malt er großformatige expressive Acrylbilder."
Karl-Georg Pfändtner, Viten, in: Unser Jahrhundert, 1998, S. 115.
"Eine enge stilistische Festlegung, eine Einordnung in die Schubläden 'abstrakt' oder 'realistisch' läßt sich bei Gerhard Böhm nicht vornehmen, trotz der spürbaren Logik seiner künstlerischen Entwicklung. Kontraste liebt er aber auch in der Entscheidung über das Format. Neben den kleinformatigen Zeichnungen mit ihren speziellen Tagesthemenkreisen ... entstanden anspruchsvoll große Gemälde und Böhm verblüfft die Betrachter darüber hinaus noch durch fast irritierend unbekannte technische Arbeitsspuren in seinen Großformaten. ...
Wiederholt sind in diesen großen Bildern amerikanische Eindrücke zu entdecken, New Yorks Straßenschluchten, endlos ansteigende Fassaden, die jedoch wieder zurückgenommen sind, unwirklich, vielleicht albtraumhaft wirkend. Und schon wieder der Gegensatz: Böhm sieht in der modernen technischen Welt die totale Bedrohung des Lebens, aber doch nicht nur sie. Energien, sogar Vitalität sind spürbar, könnten eine Chance sein über allem Zivilisationsschutt."
Hans Neubauer, Kontraste liebt er ..., in: Gerhard Böhm, 1997, S. 8-9.
"Das Formengut in Gerhard Böhms Kunst besteht primär aus Bildzeichen, deren syntaktische Qualität sie gegenüber dem Objekt verselbständigt und unabhängig macht. Das heißt: daß sie zur Realität nicht in eine realabbildende, sondern in eine symbolisch-hinweisende Beziehung treten. ...
Die solcherart entstehenden Kompositionen haben den Menschen als Zeichen vorrangig in eine linear-vergitterte, grafische Bildstruktur eingespannt, die der Künstler bereits sehr früh in seinen Linolschnitten entwickelt und nie ganz aufgegeben hat. Noch in jüngster Zeit sind großformatige Acrylbilder entstanden, in denen aus jenem sich vielfach überlagernden und ineinandergreifenden Gitterwerk Bildwelten gewaltigen Ausdrucks geformt sind, die zu einem Gleichnis einstürzender Weltordnung werden (z. B. Manhattan monochrom 1984)."
Klaus Schröter, Gerhard Böhm-Himmelkron, in: Gesamtkatalog der Ausstellungen, 1988, S. 20.
"Rotweißen Markierungen übrigens begegnet der Betrachter immer wieder in den Arbeiten des Gerhard Böhm ... Kaum ein Bild, auf dem sie fehlen (sieht man mal ab von den Landschaftsminiaturen): Sie geben Signal in der Natur wie im Dschungel der Städte und sie dringen vor, infizieren schier alles, was ihnen begegnet - Fensteröffnungen (die auf solche Art zu Abschottungen werden), Bäume, Personen sogar. ...
Doch Vorsicht vor schnellen Deutungen: Zwar, neben dem 'Visualisieren von Empfindungen' nennt Gerhard Böhm auch das 'Interpretieren von Gegenwart' als Anliegen seiner Kunst. Beim Versuch, sich mit den Zeitläufen auseinanderzusetzen, nimmt sich der 1930 geborene Crailsheimer jedoch vor allzuviel Inhalt in acht: Thesen mag Böhm nicht transportieren; das Geschäft des Malers, so sagt er, sei die Mitteilung durch Farbe und Form. Und also sind die rotweißen Zeichen vielleicht doch nur (oder vor allem) Hinweis auf deren Autonomie."
Ralf Sziegoleit in: Frankenpost vom 22. Juni 1989.  |