| Deutschmann, Barbara "Die Bildhauerin [Barbara Deutschmann] schneidet den Stein zu Quadern und Würfeln, zu Rhomben und Winkeln, Kreisen und Kreissegmenten. Sie arbeitet mit Beton und Sandstein, Marmor und Granit, Wachs und Gießharz, Eisen und Pigment. Die unterschiedlichen Formen und Materialien stellt sie in- und gegeneinander. Fläche und Raum, Farbe und Materialität, Leere und Fülle fügen sich zu kontrastreichen und spannungsvollen Strukturen. Das transparente Gießharz schließt Farben und Formen ein, die wie aus einer fernen Zeit an die Oberfläche der Plastik treiben, nicht unähnlich den archaischen Lebewesen, die der Bernstein manchmal gefangen hält.
Ob Barbara Deutschmann eine Form aus Holz baut, Beton einstampft und Kunststoff gießt, ob sie einen Stein schneidet, fräst, ausweidet und mit flüssigem Wachs füllt, ob sie hinter dem hellen Vorhang des Polyesters oder dem trüben Schleier des Paraffins entschlossene Pigmentspuren zieht oder eher die Nuancen eines Farbtones differenziert moduliert, ob ihre Plastiken ein- oder mehrteilig sind, ob sie als gegliedertes Ensemble auftreten oder als kompaktes und geschlossenes Ganzes, ob sie sich als runde, rechtwinkelige, quadratische oder irreguläre Form zeigen, immer ist der Gestus dieser Arbeiten rhythmisch, ihr Habitus belebt und ihr Animus belebend.
Der Ursprung dieser Werke aus dem Geist der Musik scheint unverkennbar. ... Barabara Deutschmanns Arbeiten wirken wie die Notationen einer Partitur. Was auf mimetische Weise unmöglich zu lesen ist, erschließt sich mühelos als skulpturale Musik und als plastischer Rhythmus. Nicht zuletzt die Leerstellen zwischen den gestalteten Elementen wirken wie die notwendigen und sinngebenden Pausen innerhalb einer musikalischen Sequenz."
Michael Stoeber, Plastische Partituren - Zum Werk von Barbara Deutschmann, in: Barbara Deutschmann - Skulpturen, 1999, o. S.
"Barbara Deutschmann's konstruktivistischen Wand- und Bodenskulpturen spielen mit der Raumillusion. Auf geometrische Grundformen reduzierte Stein-, Beton- oder Gipselemente werden durch ebensolche zum Teil farbige Gießharz- oder Wachsformen weitergeführt oder ergänzt. Dieses transparente Material erlaubt es dem Betrachter, Formen und Linien der Oberfläche 'im Inneren' des Steins weiter zu verfolgen. So entsteht ein illusionistischer Raum, um den die Phantasie kreisen kann. Andere Arbeiten, z. B. 'Form III', 1996, bestehen aus zwei oder mehreren Teilen, die sich gedanklich zu komplexeren Formen zusammensetzen lassen. Diese Beweglichkeit im Raum ist ein weiterer wesentlicher Aspekt in Deutschmann's Werk. Trotz der Strenge der Elemente wirken ihre Skulpturen eher spielerisch als mathematisch. 'Ich benutze die Sprache der Geometrie, um die Emotionalität nicht ausufern zu lassen', sagt sie."
Sonja Stefanie Bederöge in: Weserkurier Bremen vom 14. Oktober 1998.  |