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Bamberger Marionettentheater Loose


Das Bamberger Marionettentheater ist mit 31 Parkettplätzen das kleinste Theater Bayerns. Es ist kein Figurentheater im üblichen Sinne, sondern spielt klassisches und romantisches Theater genau so, wie es etwa Goethe und E.T.A. Hoffmann gesehen haben, wenn sie abends eine Vorstellung im (menschlichen) großen Theater in Weimar oder Bamberg besucht haben.

Das ist einem glücklichen Umstand zu verdanken: seinem Prinzipal Klaus Loose gelang es ein historisches Miniaturtheater aus dem Jahre 1821 (seinerzeit von einem Fachmann in Berlin gebaut) mitsamt seinem Fundus im Kunsthandel zu erwerben.

Bühne des Marionettentheaters, 1821

Außerdem besitzt er selbst eine Sammlung von Hunderten von Bühnenbildvorlagen, -entwürfen und dergleichen aus dieser Zeit und ist nicht nur Prinzipal, sondern auch Bühnenbildner, der es versteht, diese Entwürfe in die Dreidimensionalität des Theaters umzusetzen oder adäquate neue Ausstattungen zu entwerfen. Mit Hilfe dieses Materials und einer raffiniert ausgeklügelten Beleuchtung (die Theatermaschinerie der klassischen Epoche ist ohnehin in und an der alten Bühne erhalten) realisiert er seitdem in regelmäßigem Spielbetrieb abendliche Aufführungen großer Bühnenwerke von der Barockzeit bis in die Romantik, und zwar in solcher Vollkommenheit, dass der Zuschauer nach wenigen Minuten so gefangen ist, dass er vergisst, Figuren vor sich zu haben. Es entsteht für ihn der Eindruck, Menschen sprächen oder sängen auf der kleinen Bühne, und er selbst sitze entfernt auf dem Balkon oder Rang eines großen Theaters. Ein Moderator des Bayerischen Fernsehens nannte das einmal „Theater vom Feinsten“.

Auf keiner anderen (großen) Bühne kann der Zuschauer heute noch die große, die klassische Zeit des deutschen Theaters so erleben, wie sie in jenen Jahren, im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts, sich allabendlich vor einem Publikum abgespielt hat, das so theaterbegeistert war wie kaum ein anderes nach ihm. Den Besucher erwartet eine vollkommene Einheit von Sprache resp. Gesang, Gestik, Kostüm, Bühnenbild und Beleuchtung – ein Gesamtkunstwerk des Theaters, das jeden verzaubert entlässt.

Das Repertoire ist auf Erwachsene ausgerichtet. Es enthält große Dramen wie etwa „Macbeth“ von Shakespeare (in der Schlegel-Tieckschen Übersetzung und in Dekorationen aus der Berliner Romantik um 1820), die drei großen Barockschauspiele „Don Juan“, „Genoveva“ und „Dr. Faust“ (nicht etwa den Goetheschen, sondern das ältere Barockschauspiel, das seinerseits Goethe zum Faust anregte).

Es gibt auch eine Tragödie nach E.T.A. Hoffmanns berühmtester Novelle („Der Sandmann“), dramatisiert von Rainer Lewandowski, dem Intendanten des städtischen E.T.A. Hoffmann-Theaters, romantische Schauspiele wie „Undine“ (das auf de la Motte-Fouqué zurückgeht) oder Stücke aus der Tradition der Wiener Zauberstücke für Erwachsene um Raimund.

Der Sandmann


Schließlich gehört auch die Oper zum Repertoire: die „Zauberflöte“ in den original vollkommen nachgearbeiteten Dekorationen von Carl Friedrich Schinkel (1816 für die Königliche Oper Unter den Linden in Berlin entworfen) und „Der Freischütz“. Dieses Werk hat eine besondere Beziehung zu unserem Miniaturtheater. Nicht nur, dass es (auf der großen Bühne) in Berlin im gleichen Jahr (1821) unter Leitung des Komponisten Carl Maria von Weber uraufgeführt wurde, es wurde auch im gleichen Jahr, dem Erbauungsjahr unseres Theaters, schon ebenfalls auf dieser Miniaturbühne gespielt.
Erhalten geblieben sind einige Ausstattungs- und Dekorationsteile aus jener Aufführung – damit dürfte das Bamberger Marionettentheater das einzige Theater sein, das in der Aufführung dieser deutschesten aller Opern noch Dinge auf der Bühne hat, die bereits 1821 in gleicher Eigenschaft auf der gleichen Bühne benutzt wurden.

Der Freischütz


Für die Kinder (ab 4 Jahren) öffnet das Theater seine Pforten einmal im Jahr, und zwar in der Adventszeit mit einem Weihnachtsmärchen in einer Reihe von Vorstellungen an den Wochenenden. Das schließt nicht aus, dass größere Kinder mit entsprechendem Verständnis und Durchhaltevermögen (denn die Schauspiele und die Großen Opern werden ungekürzt gespielt!) von den Eltern in die Abendvorstellungen mitgenommen werden können.


Klaus Loose verließ als Prinzipal das Haus 2005, nach einem kurzen Zwischenspiel von Arnd Stein wirkt nun ein zwölfköpfiges Team um Renate Rötling.


Bamberger Marionettentheater Loose

Staubsches Haus
Untere Sandstraße 30
96049 Bamberg
09 51/6 76 00
www.bamberger-marionettentheater.de

Kartenvorverkauf

bvd Kartenservice
Lange Straße 22
96047 Bamberg
09 51/9 80 82-20
www.bvd-ticket.de

Buchung von Schüler- und Sondervorstellungen

09 51/6 76 00

Publikation

Loose, Klaus: Das Bamberger Marionettentheater. ... es war wie der Fund einer blauen Mauritius. Bamberg 1997. ISBN 3-87052-559-2 [reich ausgestatteter Bildband über das Marionettentheater mit Farbaufnahmen der Bühnenbilder und Figuren]

E.T.A.-Hoffmann-Jahr 2008

26.09.2008
"Der Sandmann" von E.T.A. Hoffmann, Regie und Dramaturgie Rainer Lewandowski, 19 Uhr
Weitere Aufführungen am 18.10., 22.11., 10.01.2009, 07.02., 28.02., 24.04.

Premiere

29.11.2008
"Hänsel und Gretel", Oper von Engelbert Humperdinck

Spielplan

zu den Aufführungen