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Ottmar Hörl inszeniert Wagner für das 21. Jahrhundert

Kunst im öffentlichen Raum begleitet die Bayreuther Festspiele 2004



Geht es nach dem Nürnberger Aktionskünstler Ottmar Hörl, so ist das Opern­haus der Zukunft im Kleinwagen zu finden:

In acht Smart-Autos, die für die Dauer der Wagner-Festspiele in der Fußgängerzone Bayreuths installiert sind, können Opernfreunde das Festspiel-Programm dank leistungsfähiger Audio-Anlagen in Stereo verfolgen. Mit der Verlagerung des Musiktheaters an diesen ungewöhnlichen Spielort des Alltagslebens greift Hörl einen Grundgedanken des musikalischen Gesamtkunstwerkes von Richard Wagner auf, der in einer frühen Idealvorstellung eine „Oper für alle“ anstrebte, die möglichst vielen Menschen zugänglich gemacht werden sollte.


„Opernhäuser des 21. Jahrhunderts“ öffnen sich den Besuchern zudem in groß dimensionierten Wohnwagen-Installationen, die sich mit unterschiedlichen Formen der Rezeption der Musik Wagners auseinandersetzen – darunter unter anderem eine künstlerische Interpretation des Walkürenritts in Francis Ford Coppolas Anti-Kriegsfilm Apocalypse Now. „Es ist mein Ziel“, so Ottmar Hörl, „die kulturellen Leistungen Richard Wagners unter zeitgemäßen Betrachtungen neu zu formulieren, um so die ursprünglichen Impulse seines Werkes auch unter heutigen Verhältnissen greifbar zu machen.“


Dabei geht es immer wieder auch darum, dem Publikum einen der bedeutendsten deutschen Komponisten auch als Menschen nahe zu bringen. So verweisen transparente Gewächshäuser, die auf der Spitze stehende Kronleuchter beherbergen, auf die Fragilität eines Lebensentwurfes, der sich in einem permanenten Schwebezustand zwischen wirtschaftlicher Unsicherheit und exorbitanter Prachtentfaltung befand.



An den Tierfreund Richard Wagner schließlich erinnert die Großskulptur „Wagners Hund“: Rund 800 lebensgroße Neufundländer in schwarzer Kunststoffausführung bewachen während der Festspielzeit sämtliche Parkbänke des Stadt­gebietes Bayreuth.

Der Beziehung zwischen Richard Wagner und seinem Schwiegervater Franz Liszt widmet Ottmar Hörl eine Arbeit, die im Kunstkabinett des Kunstvereins Bayreuth zu sehen ist. Hier installiert der Künstler in einem Projektraum eine Serie von sechs auf Sockeln montierte Wagner-Köpfe, die sich um die eigene Achse drehen. Im Zentrum des Raumes befindet sich – quasi in sich ruhend – eine unbewegliche Büste von Franz Liszt, die den rotierenden Wagner beobachtet. Im Hintergrund ist ein Summen zu hören, das den Prozess der Entstehung von Musik andeutet.


Ottmar Hörl versteht seine Arbeit als Aufforderung zur Auseinandersetzung mit dem wohl wichtigsten Erneuerer der deutschen Musikgeschichte des 19. Jahrhunderts, der das ästhetische Denken bis in die heutige Zeit beeinflusst und zu kontroverser Auseinandersetzung anregt.
„Ich begreife“, so Ottmar Hörl, „meine Arbeit als ein sich über und durch den Raum definierendes Organisationsprinzip. Meine Arbeiten haben immer eine mehr oder weniger politische Intention, das heißt, sie tendieren dazu, Aussagen über die Gesellschaft zu machen. In der Kunst geht es nicht darum, die Welt ein­zuteilen in Gut und Böse, sondern darum, dass Kunst als ein Teilaspekt der Gesellschaft von dem Willen geprägt ist, zu verunsichern und festgefahrene Konventionen zu überspringen oder zu erweiten.“


Dauer der Ausstellung: 25. Juli bis 28. August 2004


Ottmar Hörl Projektbüro

Black Box
Janet Eisenreich
Maximilianstraße 81
95444 Bayreuth
09 21 /1 50 74 96
09 21 /1 50 77 29
janet.eisenreich@t-online.de
www.ottmarhoerl.de



Lageplan
Opernhäuser für das 21. Jahrhundert