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weitere Ausstellungsinformationen hermann de vries



Die Natur ist stärker als alles andere

Bei der fünfteiligen Werkschau aus Anlass des 75. Geburtstags von herman de vries präsentiert die Bamberger Galerie Kunst im Gang bis 14. Oktober vierzig Textbilder des Künstlers.

Es war die letzte Vernissage im Rahmen der außergewöhnlichen Werkschau, zu der sich (wie mehrfach berichtet) zwei städtische und drei private Galerien aus dem nordbayerischen Raum zusammengetan haben, um unterschiedliche Schwerpunkte und Facetten im Schaffen des Künstlers herman de vries aufzuzeigen (der unter anderem aus Überzeugung die Kleinschreibung praktiziert).
„Der 1931 in Alkmaar in den Niederlanden geborene Künstler“, heißt es in der begleitenden Katalogbroschüre, „ist eigentlich auf der ganzen Welt zuhause.“ Und seit 1971 besonders in Eschenau bei Knetzgau, wo er lebt und den nördlichen Steigerwald gleichsam zu seinem riesigen, gut 200 Quadratkilometer umfassenden Atelier gemacht hat.
Dass ein Künstler, der so sehr mit der Natur lebt und sie zu begreifen sucht, gleichzeitig auch bewusst mit der Sprache arbeitet, hat die Journalistin Katharina Winterhalter bei der Ausstellungseröffnung sehr einprägsam dargelegt. „Seine Sprache ist wunderbar klar und eindeutig. KeinWort zu viel.“
Dahinter steht eine jahrzehntelange Auseinandersetzung mit Werken von vielen Philosophen, Mystikern und Wissenschaftlern, seinen Gefährten auf dem Weg zur Erkenntnis. Sein Denken kreist um die wirklich wichtigen Dinge des Lebens, seine Sehnsucht nach Eigenständigkeit und Freiheit manifestiert sich auch darin, dass er mit seiner Kunst niemanden einengen möchte. „Er liefert,“ sagt Winterhalter, „nur Punkte, Ansätze, zentrale Begriffe – die einerseits völlig unmissverständlich und klar sind, trotzdem oder gerade deswegen zum eigenen Reflektieren anregen. Jeder kann seinen eigenen Denkweg gehen.“
In der Ausstellung trifft man auf seine fragmentarischen Texte in unterschiedlicher Form. Zentrale Wörter und Wortpaare in schier endlosen Wiederholungen, vereinzelt ein paar längere Texte, die mit Bleistift, Graphit oder Buntstift geschrieben sind, mal wohl geordnet auf einer imaginären Lineatur, mal wie hingewischt und fast unleserlich, mal wild durcheinander – so wie eben „chaos“ und „chance“, „change“ und „chance“ aufeinander treffen.
Die Veränderungen sind es, die Chancen, die daraus erwachsen, die es ihm wohl angetan haben. Eine große „Argumentstelle“ der Bamberger Ausstellung, durch die sich das Denken des Künstlers erschließen mag, ist die zweiteilige Eisenarbeit „no this“. Schon durch die ungewohnt tiefe Hängung der Eisenplatten werden die Gedanken in andere Bahnen gelenkt. Dass die eingravierten Wörter ungemein einfach und lapidar erscheinen, wird dadurch hintertrieben, dass sie vergoldet sind.
Die „eschenau sutra“, eine 18 Blätter im DIN-A4-Format umfassende Arbeit, ist im Rahmen der Textbilder diejenige, die am schönsten den Bogen zu den anderen Werken von herman de vries schlägt – den Pflanzenreihungen, Erdausreibungen, Journalen, Sammlungen und flanzenfixierungen. Auf 16 schwarz oder bunt beschriebenen Blättern reiht derKünstler in einigen Schlagworten eine Welt zusammen, die nach einer akribischen Strichliste und dem lakonischen „all one“ stumm wird: Blatt Nr. 17, genau so gerahmt wie die anderen, bleibt leer. Als 18. Blatt folgt – bescheiden und doch in stiller Größe – die Pflanzenfixierung von einem einjährigen Rispengras samt Wurzel, ein weltweit verbreitetes, selbst in Betonritzen sich behauptendes Pflänzchen, dessen Schönheit man sonst ganz leicht übersieht.

Monika Beer zur Vernissage hermann de vries in der Galerie Kunst im Gang im Fränkischen Tag, Dienstag, 19. September 2006.



Fünftausendeinmal Freude=Joy

Mit „herman de vries: all this here“ zeigt die Galerie Kunst im Gang zum 50. Mal eine Ausstellung zeitgenössischer Kunst.

Es passiert nicht alle Tage, dass der Inhalt eines Kunstwerks sich nahtlos auch aufs richtige Leben beziehen lässt. Und im passenden Moment sogar noch festgehalten wird. „Joy“ (Freude) heißt die oben abgebildete Farbstiftarbeit des Künstlers herman de vries. Das 2005 entstandene Text-Bild besteht aus 4999 Wiederholungen des titelgebenden Worts – geordnet und in markanter Handschrift in vielen imaginären Zeilen aneinander gereiht, in über 200 verschiedenen Farben.
Dass der Künstler inzwischen schon zum vierten Mal im Galeriehaus Kunst im Gang ausstellt, machte die Vernissage quasi zu einem halb familiären Ereignis. Der Besucherandrang am Sonntag war aber auch deshalb so groß, weil die vor zwölf Jahren gegründete Galerie damit zum 50. Mal eine Ausstellung ausrichtete. Galeristin Dietlinde Schunk-Assenmacher konnte sich also freuen: über die Anwesenheit des Künstlers, seiner Frau Susanne und einiger de Vries-Kenner, über viele Besucher und über das, was als Vertreter des Oberbürgermeisters GAL-Fraktionsvorsitzender Wolfgang Grader zu sagen wusste. In seinem beeindruckend kenntnisreichen Grußwort würdigte Grader auch den hohen Einsatz und den künstlerischen Anspruch der Galeristin, die dafür bereits 1997 den Kulturförderpreis der Stadt erhielt.

Monika Beer zur Ausstellungseröffnung im Fränkischen Tag, Dienstag, 19. September 2006.